Stellungnahme

22.08.2023

Angriffe auf NS-Erinnerungsorte:
Solidarität für die betroffenen Einrichtungen!

 

In den vergangenen Wochen kam es bundesweit an verschiedensten Orten zu Anschlägen, Vandalismus und Beschmierungen an NS-Gedenkorten, Plakaten und Open-Air-Ausstellungen mit dezidiert antisemitischen, rassistischen, homophoben und geschichtsrevisionistischen Inhalten.

 

In der Weimarer Innenstadt wurden im Juni und Juli Porträts von Buchenwald Überlebenden sowie Plakate für das ACHAVA-Festival antisemitisch beschmiert; in Berlin kam es zwischen dem 12. und 14. August zu antisemitischen und queerfeindlichen Brandanschlägen auf die Bücherboxx am NS-Mahnmal Gleis 17 und das Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle. Bei den verbrannten Büchern aus der Bücherboxx handelte es sich vor allem um Literatur über die Deportation und Ermordung der Berliner Jüd*innen während der NS-Zeit. Und in der Nacht auf den 15. August wurde der Sitz der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten in Celle angegriffen. Dort zerstörten Unbekannte mehrere Fensterscheiben und entfernten eine Informationstafel. Der Anschlag auf den Stiftungssitz ereignete sich wenige Tage vor dem AfD-Parteitag in Celle, begleitet vom Gegenprotest zahlreicher Initiativen, Vereine, engagierter Einzelpersonen und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten.

 

Die sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG) verurteilt die rechten Anschläge und solidarisiert sich mit der Zivilgesellschaft und den Kolleg*innen vor Ort. „Die zahlreichen Anschläge zeigen deutlich, dass antisemitische, rassistische, homophobe und geschichtsrevisionistische Hetze auf den Straßen zunehmen und auch Erinnerungsorte zu den Verbrechen des Nationalsozialismus vermehrt zur Zielscheibe für Angriffe werden. Deshalb ist es wichtig, die engagierte Zivilgesellschaft, auch über Thüringen, Brandenburg und Niedersachsen hinaus, zu stärken und in ihrem alltäglichen Engagement für eine demokratische, plurale und solidarische Gesellschaft zu unterstützen. Dabei spielt historisch-politische Bildung, die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen und auch die Bewahrung authentischer Orte und Zeugnisse eine zentrale Rolle“, so sLAG-Sprecherin Daniela Schmohl. „Deshalb werden wir auf unserem neunten Erinnerungspolitischen Fachtag, der am 18. November 2023 in Leipzig stattfinden wird, den Blick auf den gegenwärtigen Geschichtsrevisionismus richten und den Fragen nachgehen: Welche ,Kipp-Punkte’ sind 1933 (und davor) auszumachen, was sind die aktuellen Gefahren für unsere Demokratie und was bedeutet das für die Erinnerungskultur – in unseren Diskursen, in unserer praktischen Arbeit?“

 
Stellungnahme (PDF)