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Offener Brief zum Flächenverkauf nahe des Gedenkorts „Judenlager Hellerberg“

10.08.2026 -

Die sächsische Landesarbeitsgemeinschaft hat nachfolgenden offenen Brief mit gezeichnet und erklärt sich solidarisch mit dem Anliegen.

 

Offener Brief:
Standortentscheidung für LKW-Parkplatz und Umspannwerk am Gedenkort „Judenlager Hellerberg“ überdenken!

Sehr geehrte Dresdnerinnen und Dresdner,
wir wenden uns an Sie, weil ein schwerwiegender Vorgang noch nicht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die nötig ist.

 

Mit Bestürzung nehmen wir den Beschluss des Stadtrats vom 4. Juni 2026 zur Kenntnis, den Oberbürgermeister zu beauftragen, eine städtische Fläche zwischen Hammerweg und Stauffenbergallee an die SachsenNetze GmbH zu verkaufen. Die Fläche befindet sich nur 45 Meter von den Haftbaracken des ehemaligen „Judenlagers Hellerberg” entfernt. Hier soll vorübergehend ein „LKW-Vorstauplatz“ für den Zollhof sowie dauerhaft ein Umspannwerk der SachsenNetze GmbH errichtet werden.

 

Im „Judenlager Hellerberg“ inhaftierten die nationalsozialistischen Behörden ab November 1942 etwa 300 Dresdner Bürgerinnen und Bürger, die als Jüdinnen und Juden rassistisch verfolgt wurden, bevor sie im März 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden. Nur 10 Menschen überlebten. Ab Mai 1943 befand
sich dort das sog. „Entbindungslager Kiesgrube“ für schwangere Zwangsarbeiterinnen aus Polen und der Sowjetunion, in dem sie ihre Säuglinge gebären und zurücklassen mussten. Mindestens 225 Kinder wurden dort durch vorsätzliche Vernachlässigung qualvoll ermordet. An ihren Gräbern ist seit 2015 im St.-Pauli-
Friedhof ein würdiger Erinnerungsort entstanden.

 

Der Ort ist durch die stark befahrenen Radeburger Straße und Stauffenbergallee sowie die Gewerbeanlagen nördlich der Stauffenbergallee bereits hoch belastet. Die Stadt hat seit 2014 Grundstücke angekauft. Die Aufgabe der Kleingartenanlage westlich des Hammerwegs böte die Chance, den Ort weiter zu beruhigen.
Das Landesamt für Archäologie hat den Ort als Bodendenkmal ausgewiesen. Der Ort ist Teil des Projekts „MNEMO“ (Gedenkareal Dresdner Norden). Ein Ideenwettbewerb von 2022 sieht die Kennzeichnung und Begehbarmachung vor.

 

Bisher steht nur an der ehemaligen Einfahrt zum Lager ein blauer Gedenksplitter als Stele am Hang der Radeburger Straße – ohne jede Wegeanbindung. Der Ort der Haftbaracken ist lediglich durch einen roten Pfahl gekennzeichnet. Der Gedenkort ist für Besucherinnen und Besucher weder erreichbar noch in seiner
Bedeutung nachvollziehbar. Wir halten diese Vernachlässigung für einen unhaltbaren Zustand! Wir bitten die Dresdner Stadtgesellschaft, diesen lange verschwiegenen und vernachlässigten Ort als würdigen Gedenk- und Erinnerungsort zu gestalten und ein angemessenes Umfeld zu gewährleisten. Ein großflächig asphaltierter LKW-Parkplatz mit seinen zu erwartenden Emissionen und Verschmutzungen sowie ein Umspannwerk mit seinen auffälligen Bauten unmittelbar neben dem Ort der Haftbaracken ist das sicher nicht.

 

Wir bitten die Dresdner Stadtgesellschaft, diesen lange verschwiegenen und vernachlässigten Ort als würdigen Gedenk- und Erinnerungsort zu gestalten und ein angemessenes Umfeld zu gewährleisten. Ein großflächig asphaltierter LKW-Parkplatz mit seinen zu erwartenden Emissionen und Verschmutzungen sowie ein Umspannwerk mit seinen auffälligen Bauten unmittelbar neben dem Ort der Haftbaracken ist das sicher nicht.

 

Wir bitten die SachsenNetze GmbH ernsthaft zu prüfen, ob nicht andere Standorte für ein Umspannwerk in Betracht kommen. Wir bitten den Oberbürgermeister und die Verwaltung, weiter an der Entwicklung des Gedenkorts und eines würdigen Umfelds zu arbeiten und dabei die Öffentlichkeit einzubeziehen. Wir fordern
den Stadtrat auf, seinen Beschluss vom 4. Juni aufzuheben und die Fläche am Hammerweg als grüne Ausgleichsfläche zu bewahren.

 

Weiterführende Informationen zum Gedenkort:
STSG: Die Erinnerung hat ein Gesicht. Die Zusammenlegung der letzten Juden in Dresden in das Lager am Hellerberg im November 1942
Stadt Dresden: Gedenkort Hellerberg und St.-Pauli-Friedhof

 

Download
Offener Brief


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